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Huiguan sind gesellschaftliche Organisationsformen und Gebäude, die unter den besonderen historischen Bedingungen der Ming- und Qing- Dynastie entstanden sind.
Sie dienten den Angehörigen auswärtiger Landsmanschaften als Anlaufpunkt bei den verschiedensten Problemen fern ihrer Heimat.

Im Allgemeinen können die Huiguan in drei Typen eingeteilt werden:
- Händler- Huiguan,
- Huiguan für Teilnehmer an den Beamtenprüfungen und
- Zuwanderer- Huiguan.

Die ersten Händler- Huiguan wurden in Suzhou zur Wanli-Epoche der Mingdynastie (1573 - 1620) gegründet. Sie tauchten zuerst in den wichtigen Handelszentren außerhalb von Beijing auf. Von den ming- und qingzeitlichen Huiguan waren die meisten Händler- Huiguan.
Sie waren in allen großen Städten und den Handelszentren des Reiches zu finden. Auch in kleinen Ortschaften, die zu ihrer Zeit wichtige Marktplätze waren, heute aber keine bedeutende Rolle mehr im Wirtschaftsleben des Landes spielen, wie z.B. in dem kleinen Städtchen Daxu nahe Guilin in der Autonomen Region Guangxi.

Während der Blüte des kaiserlichen Beamtenprüfungssystems entstanden in Beijing Huiguan, in denen sich die Prüflinge und Mitglieder der auswärtigen Landsmanschaften - auswärtige Beamte die nach Beijing beordert worden waren, aber auch Kaufleute die in Beijing ihr Glück versuchten - trafen. Von Beijing aus verbreitete sich das System dieser Huiguan dann bis in die Provinzmetropolen.

In der Zeit der Ming- und Qing- Dynastie gab es große Bevölkerungsbewegungen in vielen Teilen Chinas. Sie dienten vor allem der Wiederbesiedlung von durch Kriege, Seuchen und Naturkatastrophen entvölkerten Gebieten. Die Errichtung von Zuwanderer- Huiguan half den Migranten, sich in die neue Lebensumgebung einzugewöhnen. Hier wurden Informationen ausgetauscht, hier fand man Helfer, um die Rechte und Interessen der Zuwanderer zu schützen und hier wurden Freundschaften geschlossen. Die Huiguan entwickelten sich allmählich zu einflußreichen Organisationen in politischer, religiöser, sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht.
Wie bei den anderen Huiguan waren es auch bei den Zuwanderer- Huiguan vor allem reiche Kaufleute die als Initiatoren und Bauherren auftraten.

Im Zusammenhang mit den politischen und ökonomischen Veränderungen nach den Invasionen der ausländischen Mächte in der Mitte des 19. Jahrhunderts veränderte sich die Funktion der Huiguan. Ihr Schwerpunkt verlagerte sich weg von einem kulturellen Zentrum hin zu einem System von Handelskammern.

Durch Kriegswirren, Seuchen und Naturkatastrophen war gegen Ende der Ming- und zu Anfang der Qing- periode die Einwohnerzahl Sichuans stark zurück gegangen. Auf Grund politischer und wirtschaftlicher Maßnahmen setzte eine Migrationsbewegung ein, die in der Geschichte Chinas als "HuGuang tian Sichuan" - das Auffüllen von Sichuan mit Leuten aus Hunan, Hubei sowie Guangdong und Guangxi - bezeichnet wird.
Auf Grund des gebirgigen Rahmens der Provinz Sichuan und der wenigen schlechten Straßen, die über die Päße führten, war der Yangtze-Fluß der bevorzugte Migrationsweg nach Sichuan. Die am Yangtze gelegene Stadt Chongqing war deshalb für die Zuwanderer aus den anderen Provinzen die erste und wichtigste Anlaufstelle. 1812 hatte die Stadt bereits mehr als 2,3 Millionen Einwohner, wovon 85 Prozent Migranten waren. Daraus erklärt sich auch die große Zahl von Huiguan, die es in der Stadt gab. Im Jahr 1892 werden neun Huiguan gezählt, die Bevölkerungsgruppen von 12 der 18 Pvovinzen des damaligen Chinas repräsentierten.

Im Laufe der Zeit hatte sich im Bereich des heutigen Stadtteils Yuzhong am Yangtze ein sehr großer Komplex herausgebildet, der allgemein als "HuGuang-huiguan" bezeichnet wurde und von den Migranten und Kaufleuten aus Hunan, Hubei sowie Guangdong und Guangxi genutzt wurde. Er bestand aus mehreren regionalen Huiguan, Tempeln, Theatern usw.

Eine derartig riesiger und in seiner architektonischen Vollkommenheit herausragender Gebäudekomplex wie das "HuGuang-huiguan" war sonst weder in Chongqing noch in Sichuans Provinzhauptstadt Chengdu zu finden.
Die Hallen, Tempel, Wandelgänge, Bühnengebäude usw. mit ihren Fresken und Schnitzereien waren einmalig in der Art ihrer Aufteilung, der Qualität der handwerklichen Ausführung und des Reichtums der Motive.
Bei den Arrangements wurden alle traditionellen chinesischen Baumethoden verwendet. Es kamen diverse Konstruktionskonzepte zur Anwendung, die die Gebäude dem Berghang am Ufer des Yangtze flexibel und harmonisch anpaßten.

Dauerbombardements der Stadt Chongqing während der japanischen Aggression, Bürgerkrieg, Feuersrsbrünste, Barberei während der sogenannten "Kulturrevolution" und unsachgemäße Nutzung, der in der Neuzeit ihrer Funktion beraubten Huiguan, führten zum allmählichen Verfall der Anlagen.
Darüber hinaus bedrohte der ungebremste Bauboom in der Stadt die Reste endgültig verschwinden zu lassen.

Zum Glück besannen sich Stadtplaner und Stadtregierung rechtzeitig eines Besseren.
"In der großen Bewegung des 21. Jahrhunderts, welche die alten chinesischen Traditionen wiedererwecken will, sind die Relikte des "HuGuang-huiguan" in Chongqing ein wichtiges Objekt und Kultursymbol, anhand dessen man den Menschen die alte Kulturstadt Chongqing mit ihrer langen Geschichte wieder nahe bringen kann."
[zitiert nach: LONG Bin
http://www.stadtkultur-international.de/pubgui/Long_Bin_ch.pdf
]

Die Abteilung der Stadtverwaltung, die für den Erhalt des kulturellen Erbes zuständig ist, hat in enger Zusammenarbeit mit der Universität Chongqing, dem italienischen Unternehmen "ARS Progetti", das seit Jahrzehnten auf die Restaurierung von Kulturdenkmälern spezialisiert ist, der Weltbank und dem " Italian Trust Fund for Culture and Sustainable Development" zusammengearbeitet und für die Restaurierung des "Huguang-huiguan" und seiner Umgebung gesorgt sowie für seine nachhaltige Nutzung.

Damit ist Chongqing und der Welt ein einzigartiges Kulturdenkmal erhalten geblieben.

Der Chongqinger "HuGuang-huiguan" besteht aus mehreren Teilen, deren wichtigste der "Guangdong gongsuo" [benannt nach der Provinz Guangdong], der "Qi'an gongsuo" [benannt nach einem alten Namen für die heutige Stadt Huanggang in der Provinz Hubei] und der "Yu Wang Gong" oder "Yu Wang Miao" - ein großer Tempel - sind.

Neben der Architektur können die Besucher auch die Aufführungen lokaler Opern genießen. Ein Museum gibt einen tieferen Einblick in die Geschichte der Migration und das Leben der Migranten. Außerdem kann man traditionelle Handwerksprodukte und traditionelle Kunsterzeugnise kaufen.

Der Chongqinger "HuGuang-huiguan" befindet sich im Stadtgebiet Yuzhong, östlich der Seilbahn über den Yangtze, oberhalb der Uferstraße "Chang jiang bin jiang lu" unweit der Schiffsanlegestellen am Zusammenfluß des Jialing Flusses mit dem Yangte.

Das "Huguang-huiguan" sollte man aber nicht losgelöst von seiner Umgebung besuchen. Einige hundert Meter nach Südwesten befindet sich das Wohnviertel "Shi ba ti" das heute noch eine umfangreiche traditionelle Bebauung aufweist, mit zahreichen engen Gassen, Teehäusern die zur Rast einladen, einer Moschee, einem muslimischen Restaurant und vielem mehr.

Siehe hierzu unseren Hinweis zu "Shi ba ti"

wichtige Quelle:
LONG Bin
"Erhalt eines historischen Gesellschaftshauses in Chongqing"
http://www.stadtkultur-international.de/pubgui/Long_Bin_ch.pdf

[© china-entdecken.com Gert Wiemeier]